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„Erzählen Sie was über sich!“ – So überzeugst du bei der Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch

„Erzählen Sie was über sich!“ – So überzeugst du bei der Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch

Es gibt Situationen, die sind so vorhersehbar, wie die Kuh auf dem Bauernhof, Eis am Nordpol oder Busse am Busbahnhof. So ist es auch mit dieser – ja fast unschuldig daherkommenden – Aufforderung „Erzählen Sie mal was über sich“ im Vorstellungsgespräch. Was nach einem entspannten Einstieg ins Gespräch klingt, ist bereits ein sehr wichtiger Teil des Bewerbungsgesprächs, in dem du einige Pluspunkte dafür sammeln kannst, deinen Traumjob am Ende auch zu bekommen – wenn du es richtig machst.

Wir erklären dir, was Personalverantwortliche mit dieser Aufforderung herausfinden möchten, wie du dich optimal darauf vorbereitest und zeigen dir an einem Beispiel, was eine gelungene Selbstpräsentation ausmacht.

Selbstpräsentation: Darum stellen Personaler:innen diese Frage

Personaler:innen kennen deinen Lebenslauf und haben ihn eventuell sogar vor sich liegen. Was also soll diese Frage eigentlich?

1. Sie möchten wissen, wie du dich ausdrücken kannst.

Du musst zwar vorher keinen Rhetorikkurs besucht haben, aber schaffst du es, deine Antwort gut zu strukturieren, deine wichtigsten Stationen zu skizzieren und vor allem auf die Aspekte einzugehen, die für die ausgeschriebene Stelle relevant sind? Kannst du Wichtiges von Unwichtigem trennen oder leierst du stumpf deinen Lebenslauf herunter?

2. Ist die offene Stelle ein logischer Karriereschritt für dich?

Weshalb hast du dich für deine bisherigen Jobs und Karriereschritte entschieden? Und wie führen dich deine bisherigen Erfahrungen zu deinem potenziell neuen Arbeitgeber? Was sind deine Perspektiven und Ziele mit dem angestrebten Job? Personalverantwortliche interessieren sich nicht nur dafür, was du alles gemacht hast, sondern auch was dich angetrieben hat, diese Schritte zu gehen und warum du eine neue Herausforderung suchst.

3. Welchen Mehrwert bietest du dem Unternehmen?

Kannst du verdeutlichen, was dich besser als andere Kandidaten macht? Durch welche Eigenschaften und Fähigkeiten kannst du am neuen Arbeitsplatz zum Erfolg der Firma beitragen? Es ist also auch Selbstbewusstsein gefragt. Denn wenn du schon keine Gründe findest, warum man dich einstellen sollte – tut es dein Gegenüber bestimmt auch nicht.

Die inhaltliche Vorbereitung

Vielleicht sitzt du vor einem weißem Blatt Papier oder deinem Laptop und rätselst, wie du am besten deine Selbstpräsentation strukturieren sollst. Wo fange ich an und was gehört überhaupt rein? Auf jeden Fall nicht dein gesamter Lebenslauf. Zumal deine Selbstpräsentation je nach Alter und Berufserfahrung nur etwa drei bis fünf Minuten lang sein sollte.

Gliedere deine Präsentation in folgende drei Abschnitte:

  1. Persönliches: Wer bin ich?

    Gehe kurz auf deine Person ein: Name, Alter, Wohnort, aktuelle berufliche Situation, ggf. Interessen oder Hobbys, die auf deinen Wunsch-Job einzahlen

  2. Qualifikation, Berufserfahrung und Erfolge: Was kann ich?

    Natürlich all das, was für die zu besetzende Stelle relevant ist!
    Die Grundlage für deine Selbstpräsentation liefert das Anforderungsprofil der Stellenbeschreibung. Die verrät dir nämlich ganz genau, welche Hard und Soft Skills in deinem Traumjob gefordert sind. Schau dir also die Stellenausschreibung noch einmal ganz genau an.

    Welche geforderten persönlichen und fachlichen Qualifikationen bringst du mit und wo hast du ähnliche Aufgaben schon gemeistert? Was kann das Unternehmen von dir erwarten? Picke dir die entsprechenden Qualifikationen, Projekte, besonderen Leistungen und Erfolge heraus und zeige deinem Gegenüber anhand ein paar ausgesuchter und konkreter Beispiele, dass du die perfekte Besetzung bist.

    Wäre deine Werdegang ein Film, würdest du an dieser Stelle den Trailer präsentieren. Das heißt: Nenne lediglich relevante Stationen und Erfahrungen, die eine starke Schnittmenge zur ausgeschriebenen Stelle haben und fokussiere dich auf deine drei bis vier stärksten Argumente.

  3. Abschluss: Wo will ich hin?
    Am Ende deiner Selbstpräsentation solltest du unbedingt auf deine Motivation für den Job eingehen und warum du gerne in diesem Unternehmen arbeiten möchtest. Stelle heraus, welchen Nutzen die Firma von dir und deinen Fähigkeiten hatund warum du die einzig logische Besetzung für die Position bist.

Berufserfahrung – Eine Faustregel

Wenn du grad frisch von der Uni kommst:

  • Warum hast du das Studienfach gewählt?
  • Was waren deine Schwerpunkte?
  • Wo hast du Praktika gemacht?
  • Worüber hast du eine Abschlussarbeit geschrieben?

Bis zu 10 Jahre Berufserfahrung:
Starte mit deinem Abschluss und führe deine Gesprächspartner durch die wichtigsten Karrierestationen.

Über 10 Jahre Berufserfahrung:
Starte deine Selbstpräsentation mit dem Zeitpunkt, ab dem du angefangen hast, Positionen zu besetzen, die ähnlich zu der Stelle sind, auf die du dich beworben hast.

Ein Beispiel für eine gelungene Selbstpräsentation

In dieser Beispiel-Präsentation hat sich Lisa Müller auf eine Stelle als Eventmanagerin beworben.

Personaler: „Erzählen Sie doch bitte etwas über sich.“

Lisa: „Das mache ich sehr gerne. Vielen Dank erstmal für die Einladung. Ich bin Lisa Müller, 30 Jahre alt, komme aus Musterstadt und habe vor drei Jahren meinen Bachelor in Eventmanagement erfolgreich abgeschlossen.

Ich habe schon einiges erlebt, deshalb möchte ich Ihnen erstmal vor allem zeigen, wieso ich wirklich zu dieser Stelle passe.

Schon während meines Studiums war ich zwei Jahre als Werkstudentin bei der Firma XYZ im Bereich Eventmanagement tätig. Hier konnte ich meine theoretischen Kenntnisse aus dem Studium direkt in der Praxis umsetzen und habe bei der Planung, Organisation, Durchführung sowie Nachbereitung von Veranstaltungen, Messen, Tagungen und Meetings unterstützt.

Nach dem Studium und in den letzten drei Jahren habe ich bei der XYZ Eventagentur als Managerin gearbeitet. In dieser Zeit habe ich 20 Konferenzen mit jeweils mehreren hundert Teilnehmern organisiert. Ich habe Geschäftsempfänge geplant und Dinnerabende verwirklicht. Durch meine somit fünfjährige Berufserfahrung bringe ich die für diese Position wichtige Kernkompetenz des ganzheitlichen Eventmanagements daher mit.

In Ihrer Stellenanzeige erwähnen Sie, dass Sie Eventreihen planen. Da ich verantwortlich für alle Details diverser Veranstaltungen war – vom Catering über die Kooperation mit den Hotels, die Organisation der Ausstattung, die Logistik sowie für alle administrativen Tätigkeiten von der Angebotseinholung, Rechnungsprüfung bis zur Teilnehmererfassung und -auswertung, bin ich die perfekte Kandidatin für diesen Job. Die Eventreihen kann ich eigenverantwortlich von Beginn an organisieren und auf Hunderte von Teilnehmer skalieren.

Zudem suchen Sie außerdem jemanden für die kostenbewusste Budgetverwaltung. Das bringe ich ebenfalls mit. Ich vergleiche stets genauestens die Leistungen von Subunternehmen, wie Caterern und Location Managern und weiß, welche Partner man vermeiden sollte. So bin ich bei allen organisierten Veranstaltungen immer zu 100 Prozent im Budget geblieben, ohne Qualitätseinbußen.

Bei meinem letzten Arbeitgeber habe ich auch umfangreiche Design- und Computerkenntnisse entwickelt. So konnte ich Broschüren, Flyer, Programmabläufe oder Einladungen selbst erstellen. Die Beauftragung einer Agentur war dadurch überflüssig. Das führte zu Kosteneinsparungen von etwa 10%.

Zusammenfassend organisiere ich also Ihre Events eigenständig, halte das Budget strikt ein und übernehme das Design von Materialien. Dieses Know-how möchte ich nutzen, um Ihre Produkte durch perfekt organisierte Events auch am externen Markt bei potenziellen Kunden und Partnern bekannt zu machen.

Ich hoffe, das verrät Ihnen schon mal etwas mehr von mir. Gerne gehe ich auf bestimmte Punkte noch etwas näher ein.  

Was macht Lisas Selbstpräsentation nun so gut?

Lisa nutzt die Situation geschickt, um entscheidende Akzente ihrer beruflichen Erfahrung zu setzen. Dabei ist ihr Plädoyer für sich selbst gut strukturiert, sie geht auf die Anforderungen der Stelle ein und kommt auf den Punkt. Im Einzelnen macht sie Folgendes:
Sie…

  • bedankt sich für die Einladung zum Gespräch
  • geht ganz kurz auf ihre Person ein
  • sagt einleitend, dass sie die perfekte Besetzung ist und liefert dann drei ihrer stichhaltigsten Argumente: fünf Jahre Erfahrung im Eventmanagement, kostenbewusste Budgetverwaltung und eigenständiges Design von Materialien
  • macht deutlich, welches Ziel sie bei ihrem Wunscharbeitgeber verfolgen möchte und liefert damit den Nutzen für das Unternehmen
  • gibt ihren Gesprächspartnern abschließend die Möglichkeit, dazu Fragen zu stellen

Indem Lisa auf die Anforderungen der Stelle eingeht, zeigt sie dem potenziellen Arbeitgeber zwei Dinge: Sie ist nicht nur in der Lage ganz klar und präzise ihre bisherigen Erfolge zu formulieren, sondern kann sich auch in die Lage des Unternehmens hineinversetzen. Und das ist wichtig, denn das Unternehmen ist ja auf der Suche nach einer Person, die verstanden hat, worum es in der Position geht, was die Anforderungen sind und wie die Person erfolgreich sein kann.

Fazit: So nutzt du die Bühne im Vorstellungsgespräch optimal

Eine erfolgreiche Selbstpräsentation ist deine Chance, dich gleich zu einem frühen Zeitpunkt des Gesprächs positiv darzustellen. So nutzt du den Moment im Rampenlicht optimal:

  • Die ideale Länge der Selbstpräsentation ist je nach Alter und Berufserfahrung zwischen 3 und 5 Minuten
  • Nenne wesentliche berufliche Stationen inklusive deiner Erfolge und verknüpfe sie mit den Anforderungen der Stellenbeschreibung
  • Zum Schluss: Deine Motivation für die Stelle und das Unternehmen
  • Übe deine Selbstpräsentationvor dem Spiegel, dem Partner oder Freunden
  • Nicht auswendig lernen! Notiere dir lieber Stichpunkte. So redest du freier und wirkst authentisch

Mit den individuellen Inhalten deiner Selbstpräsentation kannst du den weiteren Verlauf des Gesprächs bzw. die nachfolgenden Fragen mitgestalten. Indem du diverse praktische Beispiele aus deiner Vita gibst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau an diesen Stellen nachgehakt wird. Gleichzeitig kannst du auch unangenehme Dinge vorwegnehmen, um den Personalverantwortlichen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das kann zum Beispiel bei der kurzen Erläuterung von Lücken im Lebenslauf Sinn machen.



18.07.2022 Alle Blogs Nach Oben