Studienabbruch – Eine Entscheidung, viele Fragen

11.10.2017 „Will ich das wirklich?“. Diese oder ähnliche Fragen wird sich jeder Student mal im Studium selbst gestellt haben. Wenn die Zweifel allerdings auch außerhalb stressiger Klausurenphasen, nerviger Abgabetermine und unmöglichen Vorlesungszeiten mittags um vier an einem nagen, wird es Zeit, sich tiefere Gedanken zu machen. Nach einer neuen Studie des DZHWs bricht fast jeder dritte sein Bachelor-Studium ab. Von Studiengängen mit Staatsexamen ganz zu schweigen.

Doch bevor man endgültig den Schlussstrich zieht, sollte man sich einige Fragen ehrlich beantwortet haben:

Ist es nur eine Momentaufnahme?

Oft zweifelt man gerade in stressigen Phasen. Doch niemand hat gesagt, dass es einfach wird. Liegt es an kurzfristig veränderten Lebensumständen, dass man das Studium beenden möchte, oder ist man sich schon länger unsicher?

Fühle ich mich unwohl?

Studiert man nicht gerade an der heimischen Uni, geht mit dem Studienanfang zumeist ein Umzug einher. Das heißt, neue Umgebung, neue Freunde und auf einmal ganz viel Selbstständigkeit. Man sollte ehrlich zu sich selbst sein. Habe ich Heimweh? Bin ich hier mit meinen Kommilitonen warm geworden? Manchmal hilft es die Uni zu wechseln, um neue Motivation für das Studium aufzubringen.
 
Deckt sich das Studium noch mit meinem Berufswunsch?

Wollte man zu Schulzeiten noch unbedingt Manager oder Modedesignerin werden, kann das mit Mitte 20 schon ganz anders aussehen. Seid auch hier ehrlich zu euch selbst. Es ist okay seinen Berufswunsch zu ändern und neuen Perspektiven und Interessen nachzugehen. Zudem kommt es nicht selten vor, dass man nach den ersten Praktika merkt, dass sich der tatsächliche Berufsalltag nicht mit den eigenen Vorstellungen deckt. Am Besten schon während des Studiums durch Praktika oder als Werkstudent in den Job reinschnuppern. So lassen sich verfälschte Vorstellungen eventuell vermeiden.

Liegt es am Druck?

Abgabetermine, viele Klausuren, verschiedene Praktika und die Eltern fragen, wann man denn endlich mal fertig sei. Logisch, dass man sich von Zeit zu Zeit überfordert fühlt. Löst der Druck dann auch noch Versagensängste aus, wird es schwierig, die Motivation hochzuhalten. Hier hilft es, mit den Eltern offen zu sprechen und zuzugeben, dass man ein oder zwei Semester mehr braucht.

Wo befinde ich mich im Studium?

Hat man bisher nur ein oder zwei Semester studiert, ist ein Wechsel noch früh genug. Ist man bereits im Bachelor-Semester heißt es gut abzuwägen, ob der eigene Leidensdruck tatsächlich so hoch ist.

Eine Hilfe kann es sein, gute Freunde zu Rate zu ziehen. Diese kennen einen genau und können differenzierter betrachten. Wichtig ist es, sich Zeit zu lassen. Die Entscheidung sollte nicht übers Knie gebrochen werden. Vielleicht vorübergehend ein weiteres Semester eingeschrieben bleiben bzw. sich ein Urlaubssemester nehmen, so lässt man sich die Möglichkeit offen, am Studium dran zu bleiben.

Wie sage ich es meinem Umfeld?

Ist die Entscheidung dann gefallen, heißt es: Stehe zur Entscheidung! Es ist ganz normal, am Anfang mit seiner Entscheidung zu hadern. Macht man es publik, kommt schnell Gegenwind auf. Gerade die Familie hat oft Schwierigkeiten damit, die Entscheidung zu akzeptieren. Es ihr übel zu nehmen, ist der falsche Weg. Ruhig und sachlich die eigenen Beweggründe benennen. Aber nicht rechtfertigen. Natürlich wird einem auch Häme begegnen. Ist man sich allerdings sicher, den richtigen Weg einzuschlagen, kann man guten Gewissens darüber stehen. Hat man für sich bereits Alternativen in Sicht, kann man seinen „Gegnern“ den Wind aus den Segeln nehmen.

Wie geht es weiter?

Man ist sich sicher, das jetzige Studium ist nicht das Richtige. Doch wie soll es weitergehen? Es stellt sich die Frage, ob man überhaupt weiterhin studieren möchte. Das ist reine Typensache. Nicht jedem liegt es, sich selbstständig zum Lernen aufzuraffen. Dann macht eine Ausbildung oder ein duales Studium Sinn. Hier ist man dem Arbeitgeber Rechenschaft schuldig. In jedem Fall ist es wichtig, seine eigenen Stärken und Interessen auszuloten. Hat man keinen Spaß an mathematischen Aufgaben, so ist es unklug ein mathematisches Studium oder eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten anzufangen. Praktika sind ein guter Weg, seine Fähigkeiten und Vorlieben auf den Grund zu gehen.

Man sollte für sich klare Ziele definieren, ohne vorschnell und übereifrig zu handeln. Auch wenn es keine Garantie gibt, kann ein Neuanfang der richtige Weg sein.

Was muss ich formal beachten?

Ohne großartige Bürokratie lässt sich kein Studium beenden. Erhält man Bafög, sollte man dem Amt unverzüglich den Studienabbruch mitteilen. Denn kommt es heraus, dass auch nach Abbruch noch Bafög gezahlt wird, müssen die unrechtmäßigen Förderbeiträge zurückgezahlt werden. Auch Familienkasse und Krankenkasse müssen informiert werden. Kindergeld wird auch trotz Studienabbruch gezahlt, sofern ihr unter 25 seid und zwischen bisherigem Studium und neuer Ausbildung oder neuem Studium nicht mehr als vier Monate liegen.

Nicht zu vergessen ist die offizielle Exmatrikulation. Einfach den folgenden Semesterbeitrag nicht zu zahlen, ist nicht empfehlenswert. Denn nur über die richtige Exmatrikulation erhaltet ihr bisherige Leistungsnachweise und eine Exmatrikulationsbescheinigung, die benötigt wird, um sich für ein neues Studium einzuschreiben.

Foto: inarik / fotolia.de




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