Fachkräftemangel auf Rekordniveau: Jetzt Wechselbereite rekrutieren
Die Zahlen sind alarmierend: Der Fachkräftemangel in Deutschland hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. 86 Prozent der Unternehmen melden Probleme bei der Besetzung offener Stellen – eine Verdopplung innerhalb von zehn Jahren. Gleichzeitig sind 37 Prozent der Beschäftigten wechselbereit. Diese Kombination bietet Ihnen eine noch nie dagewesene Chance im Recruiting.
Zusätzlich verschärft sich die Situation durch den demografischen Wandel: Laut der aktuellen IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2028 wird der Fachkräftemangel bis 2028 auf 788.000 offene Stellen ansteigen, die nicht besetzt werden können. Besonders betroffen sind Ostdeutschland und Berufe mit Ausbildungsabschluss.
Während sich viele Unternehmen auf die Suche nach aktiv suchenden Kandidaten konzentrieren, übersehen sie einen riesigen Talentpool: die über 15 Millionen wechselbereiten Arbeitnehmer. Diese Zielgruppe ist nicht verzweifelt auf der Suche, sondern selektiv offen für bessere Angebote. Genau das macht sie so wertvoll für Ihr Unternehmen.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie die Wechselbereitschaft strategisch nutzen können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Sie erfahren, welche Branchen besonders betroffen sind, was wechselbereite Talente antreibt und mit welchen konkreten Maßnahmen Sie diese Zielgruppe für sich gewinnen. Das wichtigste Takeaway: In Zeiten des Fachkräftemangels ist es nicht mehr ausreichend, zu warten – Sie müssen aktiv werden.
Inhalt
- Fachkräftemangel 2025: Die dramatische Lage
- Wechselbereite als passive Reserve
- Recruiting-Strategien für den Fachkräftemangel
- Praxislösungen für betroffene Branchen
Fachkräftemangel 2025: Die dramatische Lage
Deutschland steht weltweit an der Spitze beim Fachkräftemangel und übertrifft den globalen Durchschnitt von 74 Prozent deutlich. Die Situation verschärft sich branchenübergreifend:
Die am stärksten betroffenen Branchen
- Energiebranche: 92 Prozent der Unternehmen melden Probleme – ein Anstieg von 29 Prozent zum Vorjahr
- Gesundheitswesen: 89 Prozent der Unternehmen sind betroffen
- IT-Branche: 89 Prozent der Unternehmen finden keine geeigneten Fachkräfte
- Konsumgüter & Dienstleistungen: 82 Prozent – der “geringste” Fachkräftemangel
Demografische Zeitbombe verschärft sich
Laut Institut der Deutschen Wirtschaft wird es 2040 nur noch 23,3 Millionen Personen im erwerbsfähigen Alter mit beruflichem Abschluss geben – ein Rückgang von 31,6 Millionen im Jahr 2020. Diese Entwicklung macht deutlich: Der Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen.
Besonders dramatisch: Ostdeutschland Die IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2028 zeigt, dass der Fachkräftemangel in Ostdeutschland besonders stark zunimmt. Dort ist die Verrentungswelle bereits auf “Höchstgeschwindigkeit” und wird den bisherigen Höchststand in 2028 um 36,0 Prozent übertreffen. In Westdeutschland baut sich dieser demografische Effekt erst langsam auf.
Wechselbereite als passive Reserve
In dieser angespannten Situation wird die Wechselbereitschaft von Personen, die in Beschäftigungsverhältnissen sind, zur Chance, Vakanzen im Unternehmen zu besetzen. 94 Prozent der Arbeitnehmer haben keine Angst vor einer Kündigung, was bedeutet: Sie fühlen sich sicher genug, um über Alternativen nachzudenken.
Die Wechselbereitschafts-Struktur verstehen
37 Prozent der Beschäftigten sind wechselbereit und teilen sich auf in:
- 7 Prozent wechselwillig (planen konkret einen Wechsel)
- 30 Prozent wechselbereit (offen für Jobwechsel ohne konkrete Schritte)
Generationsspezifische Chancen
Bei den 18- bis 29-Jährigen sind 49 Prozent wechselbereit, während 26 Prozent aller Arbeitnehmer suchen aktiv oder gelegentlich nach einer neuen Stelle. Das bedeutet: Fast die Hälfte der jungen Talente ist für Ihr Unternehmen erreichbar.
Was treibt die Wechselbereitschaft an?
Die Hauptmotive haben sich verschoben und bieten Ihnen konkrete Ansatzpunkte:
- Gehalt wichtig, aber nicht alles: 72 Prozent der Recruiter sehen zu hohe Gehaltsforderungen als Herausforderung
- Stressreduktion: 58 Prozent klagen über Mehrbelastung und Stress
- Führungsqualität: 32,4 Prozent der 21- bis 35-Jährigen haben schon mal wegen schlechter Führung gekündigt
- Jobsicherheit: 69 Prozent wünschen sich einen langfristig sicheren Job

Recruiting-Strategien für den Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel erfordert neue Recruiting-Ansätze. Traditionelle Methoden reichen nicht mehr aus.
1. Active Sourcing wird zur Pflicht
Die Vakanzzeit erreichte 2024 mit 177 Tagen ein neues Jahreshoch. Sie können es sich nicht leisten, sechs Monate zu warten. Gehen Sie aktiv auf wechselbereite Kandidaten zu, bevor die Konkurrenz sie findet.
2. Quereinsteiger als strategische Ressource
Quereinsteiger sind eine wertvolle Ressource gegen den Fachkräftemangel und bringen frische Perspektiven mit. Entwickeln Sie strukturierte Einarbeitungsprogramme und gezielte Weiterbildungen.
3. Digitale Recruiting-Kanäle ausbauen
Nutzen Sie Plattformen wie LinkedIn, Instagram und sogar TikTok. Azubis, die den Unternehmens-Account übernehmen, können besonders junge Talente ansprechen.
4. Schnelligkeit als Wettbewerbsvorteil
Sowohl Kandidaten als auch Recruiter sehen größtes Verbesserungspotenzial in der Transparenz im Bewerbungsprozess. Verkürzen Sie Ihre Entscheidungswege und kommunizieren Sie schnell.
5. Hochschul- und Ausbildungsmarketing intensivieren
Mittelständische Unternehmen haben 2025 die besondere Chance, junge Talente frühzeitig durch Kooperationen mit Schulen, Universitäten und Berufsschulen zu gewinnen.
Praxislösungen für betroffene Branchen
Gesundheitswesen (289.000 zusätzliche Beschäftigte bis 2028)
Herausforderung: Besonders Pflegekräfte sind gefragter denn je. Die IW-Prognose zeigt: Gesundheits- und Krankenpflege-Fachkräfte haben eine Fachkräftelücke von 21.365 Stellen.
Lösungsansätze:
- Flexible Arbeitsmodelle für Rückkehrer
- Quereinsteiger-Programme mit strukturierter Einarbeitung
- Internationale Fachkräftegewinnung mit Anerkennungsunterstützung
- Teilzeitmodelle für erfahrene Kräfte über Rentenalter
IT-Branche (271.000 zusätzliche Beschäftigte bis 2028)
Herausforderung: IT-Berufe haben das stärkste Wachstum (+26,3%), aber auch hohe Fachkräftelücken. 18.655 Informatik-Experten fehlen.
Lösungsansätze:
- Interne Weiterbildungsprogramme für bestehende Mitarbeiter
- Coding Bootcamps für Quereinsteiger
- Remote-first Strategien für globale Talentgewinnung
- Kooperationen mit Hochschulen für Absolventen-Direkteinstieg
Metallberufe (-161.187 Beschäftigte bis 2028)
Herausforderung: Größter Beschäftigungsrückgang durch demografischen Wandel. Metallbau-Fachkräfte haben trotzdem eine Fachkräftelücke von 7.398 Stellen.
Lösungsansätze:
- Intensive Nachwuchswerbung in Schulen
- Modernisierung des Berufsbildes
- Höhere Löhne als Wettbewerbsvorteil
- Kombinierte Ausbildungsprogramme mit Digitalisierung

Quellen:
Xing-Studie zur Wechselbereitschaft 2025
Ey Jobstudie 2023
Burstedde, Alexander / Tiedemann, Jurek, 2025, IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2028. Allgemeine Trendabschwächung, IW-Report, Nr. 34, Köln