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Maschinenbauer müssen nicht zu TikTok. Oder doch?

Maschinenbauer müssen nicht zu TikTok. Oder doch?

Eine Auslese aus dem regionalen Unternehmermagazin „Unternehmertum Südwestfalen“ Ausgabe September/Oktober 2021

von Guido Müller

Wie erreicht man junge Fachkräfte? Auf jeden Fall nicht damit, dass man auf jungen Kanälen hilflos surft und sich anbiedert. Kommunikationsexperte Guido Müller weiß, worauf es ankommt und was die Dos und Don’ts sind.

Das große Problem in der Kommunikation? Es werden oft Kanäle benutzt, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob diese ihre beste Zeit hinter sich haben. Bestes Beispiel: die Ansprache der Jugend. 2012 gaben laut Statista 87 Prozent der 16 bis 19-jährigen an, dass sie Facebook nutzen, aktuell sind es noch 32 Prozent. Haben unsere Unternehmen darauf reagiert? Nicht wirklich, denn es wird sich immer noch viel Mühe gegeben, auf diesem Kanal zu glänzen. Für ältere Bewerber mag das ausreichend sein, aber die Generation unter 18 erreicht man hier nicht mehr. Was heißt das für die Kommunikation? Müssen Maschinenbauer jetzt bei TikTok tanzen oder Schraubenhersteller mit Sekunden-Fotos bei Snapchat auf sich aufmerksam machen?

Machen Sie sich keine Sorgen!

Ja, Jugendliche lieben es, Teil der Online-Communitys zu sein. Aber sie nutzen nicht Kanäle, die Erwachsene für sie bereithalten oder wo sich ihre Eltern als Zielgruppe breitmachen. TikTok und snapchat dienen der Unterhaltung und werden langweilig, wenn Unternehmen hier ihren Content posten. Dieser ist für Jugendliche meistens eh ohne Zusammenhang und daher unverständlich. Sie chatten, liken, sharen und posten gerne. Ihnen geht eine Recherche über Unternehmen und Ausbildungschancen daher leicht von der Hand. Machen Sie sich keine Sorgen, Jugendliche finden Sie, wenn Sie im Bereich Content eine echte Relevanz bieten. Für die Ansprache junger Fachkräfte helfen tatsächlich Jobportale und die Pflege der eigenen Webpräsenz mit umfassendem Content (inklusive SEO- und SEA-Anstrengungen). Und: die Teilhabe an einem analogen, jugendaffinen Leben.

Sprechen Sie klar an, was Bewerber bei Ihnen erwarten können. Warum nicht auch ehrlich Gehalt, Aufstiegschancen und Sinnstiftung direkt ansprechen? Analog untermauert ein Unternehmen durch Events oder Sponsoring sein Verständnis für die junge Generation.

Aber man muss es auch verstehen, ein Sponsoring als Kommunikationsmittel zu nutzen. Stellen Sie sich die Fragen: Komme ich dadurch direkt mit der gewünschten Zielgruppe ins Gespräch? Überzeuge ich durch meine Performance? Gehe ich mit der Zeit oder wenigstens zukunftsinteressant für junge Fachkräfte voran? Verrät das Sponsoring etwas über die Werte in meinem Unternehmen?

Arbeitgebermarke muss zum Sponsoring passen

Wer sich im Sponsoring nicht nur als Geldgeber oder Mäzen versteht, der muss neben den Eventkosten auch einiges an Eigeninitiative investieren, damit Botschaften und Image ankommen. Das geht nur, wenn man mit sich und seiner (Arbeitgeber) Marke im Einklang ist. Eine IT-Firma, die sich im Bereich E-Sport engagiert, liegt damit goldrichtig. Würde sie den örtlichen Taubenzüchterverein unterstützen, würde das diesen zwar freuen, aber es zahlt nicht auf die Reputation des Unternehmens ein. Es muss beim Sport auch nicht immer der Fußballverein sein. Eine gezielte mediale Reichweite haben auch Nischendisziplinen, weil hier regionale Vereine oft auf höherer Leistungsebene starten. Kommunikation ist ein fortlaufender Prozess. Gut, wenn man dafür die notwendige Ressource im Haus hat. Und wenn nicht, dann wendet man sich an externe Kommunikationsberater. Nicht die schlechteste Idee.

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20.10.2021 Arbeitgeber-Blog Nach Oben